«Warum fühle ich mich nicht gut genug?» 5 Selbstwert-Muster
- Funda Gottret
- 5. Juni
- 4 Min. Lesezeit

Ich behaupte mal: Es liegt nicht daran, dass du zu wenig an dich glaubst. Es liegt daran, dass du dir Sätze erzählst, die du nicht mal mehr hörst.
Fünf Selbstwert-Muster, die du wahrscheinlich kennst
In meiner Praxis in Bern sitze ich Menschen gegenüber, die nach aussen alles erreichen. Und drinnen leise weiter glauben, sie reichen nicht.
Im Job loben sie dich, und du gehst nach Hause mit dem Gedanken, sie hätten dich noch nicht ganz durchschaut. Etwas gelingt dir richtig gut, und dein erster Reflex ist «Glück gehabt». Du hast schon viel erreicht, und trotzdem hast du dieses Gefühl, irgendwie hinten dran zu sein.
In den Sitzungen sehe ich immer wieder dieselben fünf Muster, die im Hintergrund mitlaufen. Hier sind sie kurz:
Der innere Kritiker. Du redest mit dir, wie du es mit keiner Freundin tun würdest.
Komplimente prallen ab. Du kannst Lob weder richtig annehmen noch geben. Ein typischer schweizer Reflex.
Perfektionismus als Selbstwert-Beweis. Erst wenn alles perfekt ist, darfst du dich gut fühlen. Und «perfekt» ist nie erreicht
Eigene Bedürfnisse hinten anstellen. Andere zuerst, du irgendwann, wenn Zeit bleibt. Spoiler: Bleibt aber nie.
Vergleichen ohne Boden. Du misst dich an dem, was andere nach aussen zeigen, und übersiehst, dass jeder Mensch eine Rückseite hat, die du nicht siehst.
Hast du bei mehr als einem mitgenickt? Dann lies weiter. Wir schauen uns jedes Muster genauer an.
Woher diese Muster kommen
Sie sind nicht angeboren. Sie sind gelernt. Aus dem, was du als Kind beobachtet hast: wofür gelobt wurde, was übersehen wurde, wie die Erwachsenen miteinander umgingen. Aus Sätzen, die du früh gehört hast. Aus Reaktionen, die du erlebt hast. Irgendwann sind aus diesen Sätzen deine eigenen geworden.
Dein Verstand weiss heute längst, dass sie nicht stimmen. Du würdest sie keinem Kind sagen. Trotzdem reagiert etwas in dir weiter so, als wären sie wahr. Das ist keine Schwäche. Das ist dein Unterbewusstsein, das gespeichert hat, was es bis heute nicht losgelassen hat.
Stell dir dein Leben wie einen Film vor. Du siehst, was du tust: die Bilder.
Was du nicht hörst, ist die Tonspur, die im Hintergrund läuft und alles leise kommentiert. «Das war Glück.» «Andere können das besser.» «Niemand merkt, dass du eigentlich keine Ahnung hast.»
Die fünf Muster sind diese Tonspur. Sie ist keine Charakterschwäche und kein «mit dir stimmt etwas nicht». Sie ist die Musik, die früh aufgenommen wurde und seither bei jeder neuen Szene mitläuft.
Und genau darum reicht positives Denken alleine nicht. Du kannst neue Szenen drehen, so viele du willst. Solange du die Tonspur nicht änderst, schreibt sie die Geschichte mit. Das Ende kennt sie schon.
Und so zeigt sich das im Alltag. Genau dort setzen wir an.
Wie sich die fünf Muster im Alltag zeigen
1. Der innere Kritiker
«Du redest mit dir, wie du es mit keiner Freundin tun würdest.»
Du schickst eine Mail an die Chefin ab und siehst eine Sekunde später den Tippfehler. Der Kommentar in dir kommt sofort: «Wie blöd bist du eigentlich?» Hätte deine beste Freundin denselben Fehler gemacht, wärs ein Lachen gewesen.
2. Komplimente prallen ab
«Du kannst Lob weder richtig annehmen noch geben. Ein typisch schweizer Reflex.»
Jemand sagt «Du hast das super gemacht», und du sagst sofort «Ach, das ist doch normal» oder schaust verlegen weg. Lob landet nirgends. Und auch du sagst selten ein Kompliment, weil es sich fast unangenehm anfühlt.
3. Perfektionismus als Selbstwert-Beweis
«Erst wenn alles perfekt ist, darfst du dich gut fühlen. Und ‹perfekt› ist nie erreicht.»
Du backst einen Kuchen. Geschmacklich ist er top, optisch sitzt die Glasur nicht ganz. Genau diese Glasur läuft nachher in deinem Kopf in Dauerschleife. Wie er geschmeckt hat, kommt gar nicht vor.
4. Eigene Bedürfnisse hinten anstellen
«Andere zuerst, du irgendwann, wenn Zeit bleibt. Bleibt aber nie.»
Du planst die Woche, und für deinen Partner, deine Kinder, deinen Job ist alles drin. Für dich: «mach ich später».
Ich sehe euch, ihr Mamas und erstgeborenen Töchter, die früh gelernt haben, fürsorglich zu sein und sich selber hintenanzustellen. Ihr habt für alle einen Platz im Kalender. Nur nicht für euch.
5. Vergleichen ohne Boden
«Du misst dich an dem, was andere nach aussen zeigen, und übersiehst, dass jeder Mensch eine Rückseite hat, die du nicht siehst.»
Du scrollst durch Instagram, siehst eine Bekannte, die «alles im Griff» hat: Familie, Job, Urlaub. Und du denkst «Was mache ich falsch?» Dabei kennst du nur ihr Schaufenster.
Alle fünf Muster haben eines gemeinsam: Sie sind Tonspuren, die einmal Sinn gemacht haben. Heute laufen sie auf Wiederholung und vertonen dein Leben mit Sätzen, die nicht mehr deine sind.
Wenn du dem nachgehen willst
Wenn du dich in mehreren Mustern wiedererkannt hast: Es geht nicht darum, mehr an dich zu glauben. Es geht darum, die Tonspur zu erkennen, die seit Jahren in dir mitläuft.
Hypnosetherapie kann dort ansetzen und dich dabei unterstützen, diese Sätze zu verändern.
Wenn du dem nachgehen willst: Bei mir hast du ein kostenloses Erstgespräch online. Du erzählst, was bei dir gerade läuft. Ich höre zu. Und wir schauen gemeinsam, ob und wie ich dich begleiten könnte.

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